Ich hatte sie alle.
Die Sternsinger. Den Mann von der GEZ. Den Arcor-Vertreter. Den Pizza-Bringdienst für den ungeliebten Nachbarn. Die Müllmänner, Postboten und Werbung-Austräger. Die Frau, die mir die Rechte zur Begrüßung und die Linke mit einem Arsenal an Messern, Gabeln und Scheren entgegen streckte – kurz: die Scherenschleiferin aus Ehrenbreitstein – penetrant und, soweit es stumpfes Besteck sein kann, bedrohlich. Den Möbel-Lieferanten, der meinte eine Küche für mich zu haben. Den Ex-Junkie, der mir ein Zeitschriften-Abo aufdrücken wollte. Und dann kam sie!
Die junge Radio-Reporterin, die mir abends, gegen etwa 22 Uhr, das Mikrofon vor die reichlich verdutzte Nase hielt. Ein Haus, gut 50 Parteien – vermeintliche Anonymität, gefühlte Sicherheit. Trick or treat? Bitte was? Ich noch immer bemüht, in meinen salonfähigsten zu-Hause-Rumgammel-Klamotten einen Respekt verdienenden Eindruck zu vermitteln und sie Trick or Treat?. Treat stammle ich vor mich hin. Dann erklärt sie mir den Grund ihrer Umfrage, morgen ist Halloween, sie braucht noch Kommentare und da dachte sie, sie fängt mal im Haus mit Stimmen sammeln an. Schön, doch meine Gedanken springen von meinem Halloween-Erlebnis in Koblenz, mit vor fahrende Autos springenden Schulkindern, hin zur Erkenntnis, gut dass ich diejenige im Haus bin, die hinter der Kamera arbeitet und nicht sie.
Seitdem bin ich übrigens auf dem Ohr für die Türklingel taub.