Ich seh‘ etwas, was du nicht siehst.
Es gibt da ja diese Verkehrsregel, die verbietet in eine Kreuzung einzufahren, wenn man diese nicht zügig räumen kann – frei interpretiert. Nichtsdestotrotz ist doch mit erstaunlicher Häufigkeit das Phänomen zu beobachten, dass aus einer Spur plötzlich drei werden, indem sich nachfolgende Autos rechts und links reinquetschen – Hauptsache noch bei Grün in die Kreuzung eingefahren. Kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Lücke vermutet, genutzt, zu knapp, sich mit der Situation arrangiert. Aber: Welche Lücke sieht man, wenn eine Straßenbahn vor einem steht? Ist der Platz zwischen zwei Waggons so schon recht eng – wie man hier eindrucksvoll sieht – bemessen, wage ich zu bezweifeln, dass auch nur ein Auto durchpassen würde.
Vermutlich bin ich nur nicht abenteuerlustig genug, denn gleich vier PKW und ein Transporter preschten auf den drei zur Verfügung stehenden Spuren nach vorn, kaum war die Ampel auf Grün gesprungen. Nach zwei Metern kamen sie zum Stehen. Wahrscheinlich wollten sie nun losen, wer zuerst unter der Anhängerkupplung hindurch fahren darf. Taten sie dann nicht, die Straßenbahn hatte keine Lust auf Limbo und fuhr von dannen. Der übrige Verkehr, der nun seinerseits Grün hatte, auch. Das kümmerte das Quintett wenig und mit quietschenden Reifen reihten sie sich mehr oder minder ohne Komplikationen in den Fluss ein.
Na gut, kann ja ein Mal passieren. Denkste. Nächste Grünphase. Ich seh‘ da wieder eine Straßenbahn stehen. Die vier PKW, die dieses Mal ihr Glück versuchen, offensichtlich nicht. Gleiches Spiel. Bahn hat keine Lust mehr, der Rest drängelt sich in den anfahrenden Verkehr und weil die Quote von fünf Autos pro Grünphase gehalten werden muss, setzt noch ein Nachzügler zum Sprint über die rote Ampel an. Zum leichten Schrecken einer Fußgängerin, die Mitten auf der Straße stehen bleibt, nach vorne auf die Fußgängerampel blickt (grün), dann nach hinten (grün), nochmals nach vorne (grün) und abschließend versucht, einen Blick auf die Ampel für den motorisierten Verkehr (rot) zu werfen. Genug abgesichert? Ja? Na dann nichts wie weiter, schließlich ist mittlerweile die Fußgängerampel auf Rot gesprungen.
Und jetzt? Jetzt könnte man über eine dezentere Lackierung der KVB-Bahnen nachdenken, denn offensichtlich setzen die mit Werbung verzierten sich nicht ausreichend vom Straßenbild ab. Oder man hinterfragt, wieso das Signal der Bahnen sie noch großzügigerweise in die Kreuzung einfahren lässt, obwohl die Strecke nicht frei ist. Dann wären da noch die Autofahrer, bei denen man ansetzen könnte. Oder es einfach mit dem Kölschen Grundgesetz nehmen: Et hät noch immer jot jejange.
Nur leider, leider stimmt das nicht immer. Erinnere ich mich noch zu gut an einen kleinen Crash, den ich in einer anfahrenden Bahn erleben durfte. Denn nicht nur die Bahn fuhr an, auch der Wagen aus einem höheren Preissegment setzte sich in Bewegung. Danach setzte ich mich intensiv mit meiner überstrapazierten Nackenmuskulatur auseinander.
Am 13. June 2007 um 13:59 Uhr
Man braucht gute Nerven und viel Geduld wenn man durch deutsche Städte düst. Deshalb lasse ich mein Brumm-Brumm stehen wo eben möglich. Und wenn es sich nicht vermeiden läßt: cool down junge Frau, bappe Dir einen AUTO-BILD -Bapper auf das Heck und handle danach. Vielleicht färbt das ja ab auf andere. Zumindest bin ich froh daß nicht nur machos sich so verhalten sondern auch machinas. (Wie wäre es mit einer nicht-blinken-statistik oder Kolumne?) Das ist für mich - als Fußgänger oder Radler - noch viel frustrierender.