Kinderarbeit – Oder ich hatte sie doch noch nicht alle.
Sonntagabend. Bei einem gediegenen Käffchen lausche ich dem Sirren der Formel-1-Boliden. Da klingelt es. Nicht überraschend, denn dank geöffnetem Fenster hatte ich bereits das die Treppe-Hinaufstapfen gehört. Keine schweren Schritte, eher kindlicher Natur. Vom Laptop befreit, dabei die Verbindung zum Internet gekappt, den Kaffee auf dem wackeligen Tisch drapiert und huschhusch zur Haustür. Keiner da. Oder doch, zwei Jungs, keine 12 Jahre alt, T-Shirts, Shorts, Turnschuhe, dunkler Teint, schwarze kurze Haare.
„Haben Sie Arbeit für uns? Wir suchen einen Nebenjob.”
Ambitioniert. Kackendreist. Was wuselte mir da alles durch den Kopf. Und was kam aus meinem Mund? Glücklicherweise ein schlichtes: Nein. Während ich noch beobachte, wie die Nachbarin ihrerseits die Türe öffnet, schießt mir der „Enkeltrick” durch den Kopf – in leicht abgewandelter Form.
Und später so manche Gedanken, zynischer Natur, und hier zensiert. Will ja nicht auf dem Index landen. Aber eine Videokamera spielt da eine Rolle. Wenig Kleidung im Übrigen auch. Wollen wir mal hoffen, dass sie nicht an die falsche Tür klopfen und ihnen tatsächlich jemand mit zweifelhaften Absichten antwortet: Klar habe ich Arbeit für euch, kommt rein, ist auch ganz leicht. Setzt euch hin. Bitte.
Vielleicht ist auch das andere mögliche Szenario wahrscheinlicher. Geklingelt, keiner öffnet und drei Tage später sind die Wohnungen leer geräumt. Und dann bieten wir noch Alternative D an. Die Kids wollten sich wirklich mit ein paar Euro das Taschengeld aufbessern. Doch dann würde ich vorschlagen, damit bis zum Stimmbruch zu warten und anschließend beim Zeitungsaustragen die ersten Muckis aufbauen. Beeindruckt die Mädels auch mehr