Wohnung gesucht – Und sie kommen einfach immer wieder.

Gerade am Polieren der Gläser gewesen, da klingelt es. In letzter Zeit selten genug der Fall. Könnte bei Menschen mit weniger starken Nerven zu einem Hoppla, gefolgt von einem Klirren führen. Nicht bei mir. Nicht nach der letzten Nacht. Nicht nach A-Capella „Ich liebe das Leben” kombiniert mit klassischen Tönen aus der Eckkneipe und einem vielstimmigen, aber leider keinen Ton treffendem Männerchor-Karaoke über mir („Verdammt ich will dich, ich will dich nicht”).

Dachte, den Morgen fange ich beswingter an, wenn schon die Nacht weder lang noch erholsam war. Beswingt war er auch. So sehr, dass Haferflocken bei einer leichtfertigen Pirouette meinerseits über den Rand der Müslischüssel hinaus auf den Sessel schwappten. Kein Problem, noch eine Drehung und das Missgeschick weggewischt. Tänzelnd ins Bad entschwunden, im ChaChaCha mit Waschmittel und Fön zurück gekehrt – und sich kein bißchen blöd vorgekommen, als ich zur Abwechslung mal den Sitzbezug trocknete. Der Nachbar von vis-a-vis mit seiner Kamera schien noch nicht am Fenster zu sein – er bevorzugt Nachtaufnahmen.

Davon abgesehen, mich bringt momentan sowieso nichts aus der Ruhe. UND KEINER SOLLTE VERSUCHEN, DEN GEGENBEWEIS ANZUTRETEN!!!

Selbst wenn das Glas, infolge des überraschenden Klingelns, zu Bruch gegangen sein sollte. It wouldn‘t matter. Hatte die Gläser eh gerade eher zufällig, denn beabsichtigt, nach drei Jahren wieder entdeckt. Die Gelassenheit in Person frage ich nach, wer denn da sei. Babylonisches Stimmenwirrwarr. Das muss ich sehen und öffne die Tür. Mit Glas und Geschirrhandtuch. Ätsch, der Überraschungseffekt ist auf meiner Seite und meine beiden weiblichen Gegenüber machen keine Anstalten, sich zu sammeln, sich zu beruhigen.

Ich muss einen das Sprachzentrum aussetzen lassenden Eindruck machen, so als Hausfrau an einem Samstagmittag. Tja. Ach, nein, doch nicht. Na gut, ihr Anliegen ist, so weit ich das ihren Erklärungen entnehmen kann:

Sie suchen eine Wohnung. Eine, die leer steht und zu vermieten sei. Hm, dann seid ihr bei mir prinzipiell falsch. Achso, ja, in diesem Haus. Na, das kann gut sein, bei mehr als 50 Wohnungen. Hier, im dritten Stock? Oh, das schränkt das Ganze schon etwas ein. Eine WG. Hmmh. Erwähnte ich, dass ich nicht mit dem Polieren des Glases aufhörte? Sollen ja keine Schlieren entstehen. Eigentlich schüttele ich schon seit den Worten, sie suchen eine Wohnung, mit dem Kopf. Doch das Signal scheint nicht angekommen zu sein — und es tut mir auch wirklich leid, dass ich nicht weiterhelfen kann. Auch nicht, wenn sie zu einer Wohnungsbesichtigung verabredet waren, diese aber wegen des verspäteten Busses knapp verpassten.

Hätte ja kein Problem, sie nun meine Wohnung besichtigen zu lassen. Aber glaube, das ist in dieser Situation wenig hilfreich und so kann ich sie nur an die weiteren Türen verweisen. Irgendwann erkennen auch die beiden das als einzig hilfreich an. Noch während ich meine Türe vor ihnen schließe, gehe ich vor meinem geistigen Auge den Grundriss des Gebäudes durch und frage mich, wo um Himmels Willen Platz für eine WG sein sollte.

Auf der anderen Seite: Wer mal in Köln auf Wohnungssuche war und sich Buden ohne Heizung, dafür mit Kohle-Öfen, ohne Badewanne, dafür mit Dusche in der Erdgeschoss-Küche, mit Hallenbad drei Etagen über dem Appartment und mit Toilette im Treppenhaus (und in den Wintermonaten Nachttopf neben dem Bett) angesehen hat, der kann in Gedanken auch eine WG in den Grundriss integrieren.

Einen Kommentar schreiben