Respekt!
Mit diesem Schuhwerk eine kilometerlange Parade-Strecke zu bestreiten?!? Okay, ich gestehe, das Foto stammt aus dem Archiv. Glaubt aber nicht, die Modelle wären zur diesjährigen CSD-Parade aus der Mode gekommen. Sie sind noch immer im Trend. Ebenso wie Flip-Flops. Bei dem Wetter auch angebracht. Blickt man jedoch auf die sich im Rinnstein ansammelnden Haufen Glasscherben, dann sind sie mehr als nur gewagt.
Was stand noch hoch im Kurs? Kann mich da dem Kollegen im Großen und Ganzen anschließen. Die Auflistung der knappen Slips will ich aber noch um ein Exemplar aus Frottee ergänzen, dem Horror meiner Kindheit. Damals spielte man tatsächlich noch in diesen Dingern Handball – und Handballer sind nicht zwangsläufig so gebräunt wie Beachvolleyballer, Hallensport eben. Dass die auch von Männern getragen werden konnten (oder eben können), war mir bis dato neu.
Neben knapper Kleidung gab‘s auch exzellente, extravagante in jedem Fall extrem aufwändig gestaltete Kostüme zu bewundern. Und ich meine wirklich bewundern, wenn ich an das Kostüm einer Gottesanbeterin denke. Ponys, Dogs and Bears waren ebenso vertreten, wie der schwule Landadel, der in weiser Voraussicht ein Dixie-Klo mit auf dem Wagen hatte. Weniger weise war es, die defekten Schaniere der Tür mit Klebeband zu sichern. Tür auf, Tür raus – eine fließende Aktion.
Brilliant die mit funkelnden Steinchen besetzte Gürtelschnalle in Form einer Pistole. Aussagekräftig. Auffällig. Und für manch einen mit Sicherheit anziehend. Herausragend der Wagen, der gegen den zweigleisigen Mainstream aus Schlager und kölschen Hits bzw. Charts und viel, enorm viel Bassvibrationen auf die Titelmelodie zu Miss Marple setzte. Da hörte man auch ältere Generationen rufen: „Sie spielen mein Lied, hörst du, das ist mein Lied!“
Die Jungs der AWB ließen den Flaschensammlern dieses Mal erstaunlich viel Zeit, um ihre Plastiktüten zu füllen. Dann legten sie richtig los (siehe Archivbild rechts). Das Teil erinnert mich stark an meinen Handstaubsager. Also weniger im Bezug auf die Dimensionen. Dafür aber umso mehr auf eine negative Eigenschaft. Saugkraft, okay. Fffffp. Fffp. Ffffffp. Weg ist der Dreck. Nur der Staub. Der Staub fliegt wieder raus. Sauerei.
Scheint allerdings nicht jeden abzuschrecken. Denn wenn sich mir ein Bild eingeprägt hat, dann das des typical Surferboys. Blondes, halblanges, wuschiges Haar. Weiße Bermudashorts, passendes Hemd, das lässig im Fahrtwind weht. Der entsteht durch sein Longboard, mit dem er, in Flip-Flops, über den kopfsteingepflasterten Rudolfplatz flitzt. Wie ihm das gelingt ist mir, die ich weder skaten noch mit Flip-Flops Treppen steigen kann, ein Rätsel. Damit aber nicht genug, denn in der Hand hat er ein Eis – zwei Bällchen. Er nimmt Kurs auf die Fußgängerampel, die über den vierspurigen Hohenzollernring führt, und daher durch eine Verkehrsinsel unterteilt ist. Flopp. Das war dann doch zuviel. Die Bällchen Eis landen auf dem Asphalt des Ringes.
Und was macht der Surferboy? Stoppt. Zögert. Kickt das Board in seine Hand, geht zwei Schritte zur Insel, wieder zurück und bugsiert die Kugeln Eis ins Hörnchen. Die Ampel springt auf Rot und er sitzt auf der Insel fest. Nun hätte ich auch die Augen schließen können, denn was folgt, das kommentieren zwei Frauen, denen das Spektakel nicht entgangen ist. Scharf ziehen sie die Luft ein, stocken und atmen wieder entspannt aus. Bis zum nächsten Augenblick, da sich das Spiel wiederholt. Na, nun mach schon. Ist ja nicht zum Aushalten. Und da ist er auch schon. Der spitze Schrei, als Surferboy am Eis schleckt. Schleckt und nochmals schleckt. Gut, dass die Ampel grün wird und die Frauen wieder ausatmen dürfen als sich der Surfer – nun zu Fuß – langsam entfernt.
Also, so schlimm kann das Bißchen aufgewirbelter Staub nun auch wieder nicht sein.