Gummimensch.

Mit atemberaubender Schrittlänge stürmt er vorbei. Ein junger Mann, Anfang zwanzig würde ich tippen. Einen Rucksack geschultert. Eine unscheinbare Person. Einer, der in der Vorlesung nicht weiter auffällt, wenn er mal krank sein sollte. Und der mir auch an diesem Abend nicht weiter aufgefallen wäre, hätte er seine eilenden Schritte nicht im Zickzack und einem unsteten Auf und Ab des Oberkörpers gesetzt.

So führte ihn sein langer Weg von geparkten Wagen zu Hauswänden zurück zu den Autos. Im Slalom zwischen Pollern, Laternenmasten, KVB-Hinweistafeln hindurch. Selbst die Bordsteine wussten seine eigentümliche Zielstrebigkeit nicht zu unterbinden. Rote Ampeln kannte er keine, doch das tut hier eh kaum einer.

Plötzlich verschwand er erstaunlich behände die Treppen zu den Gleisen des Südbahnhofes hinauf. Na, hoffentlich weiß er sich rechtzeitig zu Bremsen. Das Gleisbett liegt tief. Die Züge sind schnell. Und teils nur auf der Durchfahrt.

Er wusste sich zu Bremsen. Jedenfalls kehrte er nach etlichen Minuten zurück. Und wie. Die Treppen, die er noch zuvor aufwärts genommen hatte, stolperte er nun hinunter. Ohne anzuhalten ging es über den Bahnsteig der KVB-Haltestelle auf die gut vierzig Zentimeter tiefer liegende Straße. Drei, höchstens vier Schritte, dann hatte er die zwei mit Bahnschienen versehenen Spuren hinter sich und war schon wieder die vierzig Zentimeter des gegenüberliegenden Bahnsteiges empor getorkelt.

Spätestens jetzt ahnte ich, was oder besser wen er in seinem Rucksack mit sich herum trug. Einen enorm beschäftigten und zugleich exzellenten Schutzengel. Good Luck!

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