Feierabend-Impressionen

zwoelfe.jpgHerrlich. Einfach herrlich. Feierabend. Bahn erreicht. Die Türen öffnen sich, Nase rümpfen. Feierabend – kurz vor Betriebsschluss. Der Mief eines Tages schlägt einem entgegen. Allen widerlichen Gerüchen voran: der nach Urin. Feierabend. Endlich wieder oberirdisch. Frische Luft. Kalte Luft. Nasskalte. Es regnet. Nicht in Strömen. Aber genug, dass die Menschen unter dem Hausvorsprung warten. Nicht so ich. Feierabend. Für mich. Nicht für andere. Die klettern in den Bauschuttcontainern umher. Wühlen sich durch Dreck, abgeschlagenen Putz, Styropor, zersplitterte Bretter und versuchen eine Badewanne aus dem Container in ihren Transporter zu wuchten. Um Mitternacht. Alteisenhändler scheinen nie zu schlafen. Kupferdiebe auch nicht. Ich aber bald. Denn schon in wenigen Stunden trete ich erneut meine Bahnfahrt an.

Was mich dann wohl erwarten wird? Eine leere Flasche billiger Wodka. Menschen mit ihrem Frühschoppen. Oder aber wieder der lebende Beweis, dass Männern Lila durchaus sehr gut stehen kann. So gut gar, dass es nicht als Makel erscheint, wenn das Polo-Shirt einen anderen Lila-Ton hat als der sportlich geschnittene und lässig über den Schoss geworfene Pulli. Stilsicher. Stilbrüchig die abgetragenen Schlappen. Und eine Nase, eine zu kindliche Nase. Davon ab, fast perfekt. Mehr hätten meine Augen auch nicht widerstehen können. Denn die Sonnenbrille auf meiner Nase war nicht verspiegelt und so streifte stets ein flüchtiger Blick den mir gegenüber Sitzenden und schon wanderte mein Augenpaar wieder zurück auf die andere Seite. Hin. Und her. Und hin. Wird Zeit für eine verspiegelte Sonnebrille…

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