Tägliche Begegnungen – Nachtrag
Be careful – it‘s getting disgusting!
Als ich gegen 21.30 Uhr ins Nachtleben aufbrach, war sie gerade mit „Hausputz” beschäftigt. Mit einem Handfeger bewaffnet und auf den Knien rutschend fegte sie sorgsam über das Kopfsteinpflaster, das unmittelbar zur U-Bahn-Station führt. Erstaunlich, was in den Ritzen steckt. Elegant über den Haufen hinweg gesprungen, ab ins Getümmel.
Zurückkehrend hörte ich sie bereits vom Fuß der Rolltreppe summen und singen. Oben angekommen sah ich sie ihre Filzstifte sortieren. Strange.
Aber was ist außergewöhnlicher? Sie, oder die Frau mit Holz-Klocks in der Bahn? Oder die Frau – mindestens eine Enddreißigerin –, die ihrem Gatten, Freund, Partner, whatever beim Pissen zusah und mir ein Hallo entgegen warf? Konnte mir ein „Na, wie läuft‘s?” gerade so verkneifen – und verschwand stattdessen mit einem trockenen „Nabend” um die Ecke.
Der Mutter-Theresa-Orden des Abends geht jedoch an die junge Frau, die geduldig neben ihrem Freund, vermute ich Mal, anhielt. Alle zehn bis fünfzehn Meter, als dieser sich den Abend nochmals durch den Kopf gehen ließ. Sein Haar beiseite strich und einen kontrollierenden Blick in sein Gesicht warf. Toll.
Der „sideeffect on me” – nach dieser Nacht weiß ich mehr über etwaige Pfützen, die meinen Weg durch die Stadt säumen, als mir lieb ist. Bislang wusste meine unschuldige Naivität mit dem Argument zu überzeugen, dass es sich dabei lediglich um von Pfandflaschen-Sammlern ausgeschüttete Kölsch-Reste handelt. Gelegentlich mit Scherben gespickt – kamen die Sammler eben zu spät. Und jetzt, bah. Wundert euch nicht, falls ich demnächst mit eigenwilligem Schreit-zum-Seitsprung-bereiten-Stil durch die Stadt wandele…