Zu schnell angegangen.


Samstag vor Totensonntag der Auftakt in Bonn: Weihnachtsmarktpremiere 2007. Über drei Plätze erstreckt sich der Markt, das Gros der Buden ist auf dem Münsterplatz versammelt. Der in der Mitte gelegene Platz bietet als Attraktion Winzerglühwein und solchen aus und mit Dornfelder – die Geschmacksprobe blieb aus. Ebenso die Runde auf der Eisfläche, selbst wenn diese Schlittschuhlaufen-lernen-Pinguine einen nicht unbeträchtlichen Reiz auf mich ausübten. Allein, sie reichten mir höchstens bis zur Hüfte, das hätte zu peinlich ausgesehen. Konnte mich also gerade noch so zurück halten.
Und zum Glück auch vor dem kindlich naiven Griff in den Haufen Schnee an einem der Bäume der Einkaufsstraße. Es kam mir gleich seltsam vor, dass nur an diesem einen Baum so viel Schnee lag – doch nirgends sonst. Und die Kinder, die fröhlich hinein griffen, wurden enttäuscht, denn die Konsistenz war alles andere als prädestiniert zum Schneebälle Formen. Aber was lag da am Wurzelwerk, das so verlockend weiß glitzerte. Die Lage sondiert, die Läden gecheckt – bah, direkt daneben ein Fisch-Schnellimbiß. Gut, dass ich ein zweites Mal zu widerstehen wusste.
Ein drittes Mal konnte ich mich dann nicht in Zurückhaltung üben. Auf dem Heimweg in der Bahn sitzend, versuchend, mich in mein Buch zu versenken und die übrigen Passagiere auszublenden. Nicht einfach, wenn dem jungen Mann auf dem Vierersitz vis-à-vis eine Farbspraydose aus dem Rucksack fällt. Nicht einfach, wenn sich ein Pärchen plus Studienkollege zu mir setzen, zunächst physikalische Gesetze diskutiert, dann das schon etwas angeschüttelte Oettinger aus der Plastiktüte angelt und mit einem Feuerzeug hantiert. Der Studienkollege will die Zeit eigentlich zum Lernen nutzen und tut dies kund, just als das Pärchen darüber spricht, wie entspannt sie doch zusammen einkaufen können und sie verkündet, dass er eigentlich eine Jacke kaufen wollte, doch mit vier Pullovern das Geschäft verließ. Darauf betont mein Sitznachbar erneut, dass er lernen müsse und sich so nur schwer konzentrieren könne.
Mein Einsatz, ohne den Blick zu heben: „Mach‘ dir nichts draus, ich komme auch seit Minuten nicht über die Seite meines Buches hinaus.” Schweigen. Kein weiterer Kommentar. Ich finde endlich in mein Buch (Titel: „Fliegende Fetzen” – wurde mir jedoch erst später bewusst) hinein und das Pärchen kurz darauf auch wieder in sein Gespräch. Weihnachtsmärkte 1-3 erfolgreich erkundet.
Totensonntag war Pause. Die Ruhe vor dem Sturm, d.h. vor vier weiteren Weihnachtsmärkten. Die kleine Kölner Runde: Dom, Alter Markt und Heumarkt, Neumarkt, Rudolfplatz. Fallende Glühweinpreise. Atmosphärisch am Nachmittag nicht das Optimum, aber viele lustige Touristen, die über die Plätze zogen.
Dienstag der Markt in Leverkusen-Opladen. Glühbier testen. Nette Alternative, besonders für Kirschenliebhaber. Klein, überschaubar, mehr als sechs Buden.
Die Düsseldorfer Altstadt lockte am Mittwoch, eigentlich mit einem Ufer, von dem aus ein roter Rhein zu beobachten gewesen wäre. War er jedoch nicht, dafür ein hübscher Weihnachtsmarkt mit blauer Beleuchtung – mal was anderes und humane Glühweinpreise. Wäre einen zweiten Besuch mit Glühweintesten wert.
Freitags nochmals der Haus-und-Hof-Weihnachtsmarkt: Rudolfplatz. Ein flotter Abstecher zwischen Weichspüler und Trocknertuch. Enormer Betrieb, trotz allem zügige Bedienung, aber lauwarmer Glühwein und noch immer vermisse ich das dazu gereichte Stückchen Zitrone. Darüber hinaus erfahre ich durch mich abschätzende Blicke, niemand, wirklich niemand, hat alleine auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen. Mir doch egal.
Sonntags hätte dann die Fortsetzung kommen sollen, in Darmstadt, mit Zitronenstückchen. Und dienstags darauf mit Kollegen erneut auf dem Rudolfplatz. Kam aber nicht. Zehn Weihnachtsmärkte in vier Städten an fünf Tagen, too much. Overpaced. Zu schnell angegangen – fiese Erkältung mit allem drum und dran eingefangen. Widme ich mich dem nächsten Experiment: Werden meine Geschmacksnerven noch so lange betäubt sein, bis ich die aus einem Fehlkauf resultierenden RoiboosteeRooisbostee-Vorräte aufgebraucht habe?
Am 27. December 2007 um 11:50 Uhr
Wann hast du denn diese Fotos gemacht…?
Frohe Weihnachten, bis hoffentlich bald…
Am 1. January 2008 um 22:51 Uhr
Hm, drei davon entstanden während meines Zwischensprints von Waschsalon zu Weihnachtsmarkt und zurück. Das mit der blauen Lichterkette war ein Spontanschuss während des Wartens auf den roten Rhein-Teppich in Düsseldorf.
Das hoffe ich doch auch