Tschö 2007, war schön mit dir.

pg2007.jpgGar nicht so einfach, wenn man in Gedanken schon ein halbes Jahr voraus ist, im Hier und Jetzt entspannt Kniffel spielt und eigentlich einen Jahresrückblick verfassen möchte. Aber, da habe ich schon größere Hürden genommen.

 

Januar

Zum Beispiel jene an einem Morgen im Januar. Ruhig und gelassen ging es in den Tag hinein, bis ich das Radio anschaltete und mich die Meldung über eine Straßensperrung in der Innenstadt aus meinen Träumen riss: Der Einzug in die Hofburg. Nichts Böses aber sehr wohl eine Geschichte ahnend rief ich eine Kollegin an, was es denn damit auf sich hätte, wo das statt findet und vor allem wann? Gleich bei mir um die Ecke und in etwas mehr als einer dreiviertel Stunde – alles klar. Erstaunlich, welchen Elan ich morgens an den Tag legen kann. Sollte sich auch lohnen, denn den Anblick von dutzenden in Uniformen gekleideter Männer, die auf einer Bühne zum Rhythmus der Musik ihre Allerwertesten aneinander reiben (kurz Stippeföttche genannt), werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Und auch nicht, wie meine Kollegin nach dem vierten Mal Kamera einschalten, sobald ein Wagen mit getönten Scheiben vorfuhr, mich darauf hinwies, dass ich es lassen könne, denn das Dreigestirn würde nicht im Auto vorfahren. Tat es auch nicht. Stattdessen kündigte ordentlich Tamm-Tamm den von Männern gezogenen Wagen an, der dann, reichlich geschmückt, um die Ecke bog.

Ich entdeckte für mich das Party-Hopping und andere entdeckten an mir die Eigenschaft, es Gastgebern leicht zu machen: Party 1, eigenes Kölsch im Gepäck, zwischendrin ein Abstecher zu Party 2, Aufbruch zurück zu Party 1, wieder eigenes Kölsch dabei.

Gegen Monatsende brachte ich dann noch in Erfahrung, dass Til Schweigers Lächeln nicht nur auf der Leinwand dieses bestechend verschmitzte Etwas hat.

 

Februar

Gleich zu Beginn des Februars war mir ein Blick in die Chefetage gewährt, wenn auch nur in begrenzte Räumlichkeiten. Aber immerhin, ein Anfang. Mitte des Monats dann das blöde Gefühl, auch dann noch zu arbeiten, wenn andere längst feiern oder bereits am Boden liegen. Keine Sorge, zwei Tage später wusste ich das Feiern, ohne am Boden zu liegen, nachzuholen: Warten auf den Geisterzug, mit lauter fröhlichen, gut-gelaunten Menschen um mich herum, und letztlich auch tanzen zu den Rhythmen der Trommler, die der Geisterzug schließlich mit sich brachte.

Und nochmals zwei Tage darauf stand ich nicht nur am Rande des Zuges, sondern war mittendrin – gefangen. Es gibt bessere Orte, als am Rosenmontag in Köln ein unfreiwilliger Bestandteil des Zuges zu werden. Doch wo ein leerer Kinderwagen in erster Reihe, da auch ein Ausweg aus dem Gedrängel – was ich erst fünf giftige Blicke später entdecken sollte. Tags darauf dann mein persönliches Monats-Highlight: Ich werde Zeuge einer Nubbelverbrennung, endlich! (In der Mitte des Videos zu sehen.)

 

März

Im März ging‘s heiß weiter: Zwei Parties in der Kölner Vulkanhalle. Die Location schloss ich sofort in mein Herz. Altes, auf Vordermann gebrachtes, Industrie-Backstein-Gebäude. Die erste Party bedeutete Arbeit, die zweite Plaisir. Eine LAN-Veranstaltung, die den gängigen Klischees gerecht wurde, doch dafür Freibier bot. Nebenbei traf ich noch einen guten Freund – der eigentliche Grund, weshalb ich dort vorbei sah.

Im Weltstadthaus, kurz dem P&C-Gebäude in Köln, eine weitere Veranstaltung mit guten Häppchen und einem ersten Vorgeschmack, was sein wird, wenn auch in NRW das Rauchverbot vollends in Kraft getreten ist. Im Glaskäfig die Raucher, außerhalb Snacks und Fußball-Live-Übertragung.

Zum Abschluss des Monats ging es nochmals, durch die Arbeit bedingt, in die Vergangenheit. Ein Termin außerhalb Kölns stand an, in einem Ort, wo schon so manche gute Feier ihren Anfang nahm. Dieses Mal sollten sich Studenten für ein eigens aus Japan angereistes Fernsehteam ausziehen. Doch so völlig hüllenlos wurde es dann doch nicht. Immerhin gab es Japanerinnen in lustigen Overalls zu bestaunen. Was es damit auf sich hatte, hätte ich wohl in Erfahrung gebracht, würde mein Japanisch über ein Sayonara hinaus reichen, denn mit Englisch sollte ich nicht weiter kommen.

 

April

Wie geil war das denn?!? Sonne satt, Temperaturen um die 30 Grad – und das im April. An solch einem wundervollen Tag wurde im Kölner Zoo Marlars erster Geburtstag gefeiert. Drei Kameraleute, die um einen Haufen Scheiße, einen großen Haufen, herum stehen – ich knapp dahinter, die drei Kameraleute filmend. Als Erinnerung brachte ich einen Plastikbeutel Elefantendung mit nach Hause – exzellenter Dünger, habe ich gehört.

Kurz darauf spiele ich Überraschungsgast, verfranse mich im Frankfurter Süden, werde erfolgreich zu einer Hausfassade mit einer Frau, die die Beine spreizt, geleitet und darf noch erleben, wie Menschen Käse in einen Schokoladenbrunnen tauchen.

Die nächste Geburtstagsfeier geht gesitteter zu. Launige Fahrt durch die hübsche Eifel, leckere Steaks, ein idyllischer Ausblick auf die Mosel, das erste nach Buchrückenfarben sortierte Regal, ein schön illuminiertes Trier bei Nacht und die Fahrt nach Hause, vorbei an einem Großbrand.

Um die Ecke findet eine Bloggerlesung statt und die letzten Worte bekomme ich noch mit – der Anfang ging leider in Arbeit unter. Tief beeindruckt zeige ich mich am Rande des Footballfeldes, treffe einen Ex-Studi-Kollegen und nehme mir erneut felsenfest vor, es irgendwann auch einmal als ganz normaler Besucher auf die Tribüne des RheinEnergie Stadions zu schaffen.

Zu guter Letzt tanze ich mit Freunden auf einer Kneipen-Closing-Party in den Mai. Karnevalssongs, Karnevalsdeko, ein riesen Spaß mit Luftschlangen, Konfetti und Luftballons. Wir verlassen die Location, ehe die Weihnachtsdekoration hervor gekramt wird und entdecken noch einen Laden mit hübschen Fototapeten an den Wänden.

 

Mai

Alles neu macht der Mai. Stimmt, irgendwie. Ich beschließe ein kurzes Sabbatical einzulegen. Eine Partie Boule am Geburtstag war mir nicht vergönnt, dafür ein schöner Abend im Kreise der Freunde. Was die Gummibärchen mir orakelten ist in Vergessenheit geraten. Lediglich, dass ich mit dem Ergebnis der Ziehung zufrieden war, ist im Gedächtnis geblieben. Und das Wissen, in der Heimat noch immer auf Mitschüler zu treffen – und diese auch zu erkennen.

 

Juni

Im Juni trenne ich mich von zwei Weisheitszähnen und kaue tags darauf minutenlang auf meiner Bratwurst in der Frankfurter Commerzbankarena herum. Das erfordert meine volle Konzentration und hat auch etwas Gutes, so nehme ich mir die letzte NFL-Europe-Niederlage der Centurions Köln nicht allzu sehr zu Herzen. Erst recht nicht im Galaxy-Fanblock sitzend. Aber einen kleinen Triumph dürfen die Kölner an diesem Abend dennoch feiern: Zum Abschied eines Frankfurter Spielers läuft „Niemals geht man so ganz” von Trude Herr & BAP. Geht man doch, wenig später wird die Liga eingestampft.

Auf von den Sonnenstrahlen gewärmten Steinfließen liegend lasse ich mir den Juniwind um die Nase wehen. Meine Tagesaufgabe besteht darin, meine Position dem aktuellen Schattenstand unterm Sonnenschirm anzupassen – Urlaubsbräune bleibt aus, Sonnenbrand auch. Die Abende sind mit Grillgut verspeisen und Schlammbowle testen erfüllt. Nebenbei frische ich meinen Pfälzer Dialekt auf, naja, der Ehrlichkeit halber, nur meine Fähigkeit, ihn zu verstehen.

Verstehen ist auch das Stichwort für das Gianna-Nannini-Konzert in Bonn. Was auch immer sie dort oben auf der Bühne erzählt haben mag, an mir und meinen rudimentären Italienisch-Kenntnissen ging es vorbei. Nicht jedoch an denen der anderen, durchwegs deutlich älteren, Konzertbesucher. Voller Inbrunst singen sie mit, vor allem bei den neueren Liedern, ich habe meinen gesanglichen Auftritt dann bei den älteren Songs. Und behalte diesen Abend in Erinnerung, besonders, aber nicht nur, weil GN mich durch die Beherrschung diverser Instrumente und geballter Energie auf der Bühne zu beeindrucken wusste. Und, weil ich an diesem Abend nach anderthalb Stunden Wartens an der U-Bahn-Station lernen sollte, dass die Linie 66 erst im Norden Bonns zur Linie 16, die wiederum nach Köln durchfährt, wird.

 

Juli

Back to work, vorher noch flott Feiern. Seit Ewigkeiten die Party mal verlassen, ehe das Licht angeknipst, der Besen geschwungen und die Rausschmeißermusik gespielt wurde – sehr angenehm. Tags darauf noch genug Energie besessen, die Freunde mit kühlen Getränken und wildfremde Kölner mit Sonnencreme zu versorgen. Dem ganz großen Trubel ferngeblieben. Ungewohnt, aber durchaus eine willkommene Abwechslung.

Bizarre Pressekonferenz, viele Fragen, wenige klare Antworten. Dafür Gespräche in einer fremden, mir (und sicherlich auch den anderen anwesenden Medienvertretern) unverständlichen Sprache. Beschwichtigende Gesten von Pressesprechern zu den eigenen Organisationsmitgliedern. Strategisch interessanter Sitzplan. Eine Erfahrung fürs Leben. Aber kein Vergleich zur Daum-PK am 11.11.06 im Kölner Elisabethenstift.

Last-Minute einen guten Aussichtsplatz zu den Kölner Lichtern gesucht und auf einem Roller-Trittbrett stehend gefunden – blöd, dass der vor mir auf einem Barhocker zu balancieren wusste. Immerhin, für gut 15 Minuten hielt er für mich mit der Kamera drauf, thanks for that.

Reiseangebot erhalten, eine Nacht lang hin und her überlegt, zugesagt und in Windeseile einen Allgemeinmediziner gesucht. Direkt neben der Apotheke gefunden. Ihn mit den Worten „Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde gekommen” begrüßt. Nicht die beste Floskel, beim erstmaligen Arztbesuch. Egal, das Okay und die notwendigen Impfungen bekommen.

 

August

In einer hübschen Keller-Gewölbe-Party-Location meinen Herzschlag gegen den Bass der bescheidenen Anlage ankämpfen lassen, aufgegeben und stattdessen gediegenes Döner-Essen auf der Zülpicher Straße. Dabei mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen festgestellt, wie flexibel der Gang von Menschen werden kann, die zu viel getrunken haben.

Geselligen Abend in Kölner-Kult-und-zu-diesem-Zeitpunkt-Nichtraucher-Kneipe verlebt. Bei Kölsch flüssig und musikalisch. Letztlich in einem Club gelandet, dessen Ambiente und Gäste in mir den Vergleich mit einer Bar auf einem 70er-Jahre-Kreuzfahrtdampfer weckten. Flasche Kölsch für unfassbare fünf Euro. Erstklassigen und geduldigen Tänzer an meiner Seite gehabt. Das mit dem Sich-führen-lassen ist allerdings noch ausbaufähig.

Führe lieber selbst, zum Beispiel Auszubildende in die groben Rahmenbedingungen meines Jobs ein. Außerdem beim Filmen für eine Politesse gehalten worden. Ließ den entsetzten Parksünder mich über den ganzen Platz verfolgen, ehe ich ihn, zu seiner Beruhigung, aufklärte. Ein bißchen Spaß muss sein.

 

September

Flugangst bezwungen – ein dickes Dankeschön meinem Flugbegleiter, der mich mit Muffin am Frankfurter Bahnhof in Empfang nahm und bestens erhalten zum Sammelpunkt geleitete. Große Tabletten zu schlucken gelernt, Fisch-Phobie ansatzweise überwunden – finally aus freien Stücken King Prawn auf den Teller geladen und an der Crusty Crab geknabbert. More details to come soon. And here we go. SchwanzEinkommensvergleich verloren. Dutzende neuer, prägender Eindrücke gewonnen.

 

Oktober

Klaus Lages „Tausend Mal berührt” wurde zu meiner Singstar-Premiere. Es folgten „Downtown” von Petula Clark und „Sweet Home Alabama” von Lynyrd Skynyrd. Bei erstgenanntem erreichte ich nicht die nötigen Höhen, bei zweitgenanntem brachten mich die Tempowechsel gehörig ins Schleudern. Spaßig war‘s trotzdem oder gerade deshalb.

Beifahrerin in einem Lotus. Ungewohnt, auf der linken Seite Platz zu nehmen, doch nicht den Wagen zu steuern. Und so tief gelegen. Und einfach nur herrlich, dieses Gefühl der Beschleunigung. Leider viel zu selten, denn die Fahrt fand zur besten Stauzeit nach Düsseldorf statt. Zurück ging‘s dann im X5 – was die Sitzposition anging ein großer Kontrast.

Zwei Stunden lang anderen bei deren Blutspende zugesehen, dann erst Mal gefrühstückt. Ab aufs Eis – nicht mein Lieblingsgelände. Erst recht nicht, wenn parallel noch Eishockeyspieler proben. Ging aber glimpflich aus, ich blieb auf den Beinen und wurde vom Puck verschont. Außerdem ein Fußball-Monat: Allofs, Calmund, Daum, Neuville, Overath, Pélé.

 

November

Prosecco aus Kronkorken-Flaschen auf einer Ausstellung von mit dem Handy aufgenommenen Aktbildern – impressing, wie gut die Auflösung der Bilder bereits ist, doch braucht es dazu nach wie vor einen guten, sehr guten Fotografen und das richtige, stimmungsvolle Licht.

Besuch beim Christkind. Partyabend mit französischem Pop auf dem linken Ohr, La Boum auf (zeitweise) neun Bildschirmen und auf dem rechten Ohr aktuelle Charts. Bei strömendem Regen auf den Abbau des Reiterdenkmals am Heumarkt gewartet. Vier Tage später Mitten auf dem Heumarkt den Sessionsauftakt miterlebt und dokumentiert, dabei Karnevalisten aus der Heimat getroffen und eine Gruppe als Amy-Winehouse verkleideter.

Im fünften oder sechsten Anlauf es endlich auf eine Party geschafft. Bekannte Location – doch dieses Mal mit besserer Anlage. Mein Herz machte höchstens Freudensprünge ob der vom DJ eingestreuten Beat-Phasen. Gediegener Ausklang des Abends in einer erinnerungswerten Kneipe. Weihnachtsmarkt-Auftakt. Glühbier-Premiere. Fahrt mit einem Paternoster-Aufzug.

 

Dezember

Auf blöde Scherze folgte die Bestrafung auf dem Fuße, am Fuße. Etwas mehr über unser Gesundheitssystem gelernt. Weihnachtsfeier im Aquarium – Buch zum Gesundheitssystem gewonnen: Das Pharma-Komplott. Anfangs ein Monat der verpassten Gelegenheiten. Gegen Ende ein Monat mit vielen, schönen Wiedersehen nach langer Zeit. Und etwas Schnee, verdammt viel Nebel – zum Glück keine Glätte. Zum Jahresabschluss endlich eine mir seit fünf Jahren unter den Nägeln brennende Frage beantworten können.
pg2007.jpgAuf geht‘s! 2008 kann kommen! Ich freue mich drauf! Und euch wünsche ich einen guten Rutsch und nur das Beste!
Finally in Gimp den Effekt entdeckt, der Bilder so verfremdet, wie links zu sehen – vielleicht tauche ich doch bald wieder den Pinsel in etwas Farbe und bemale großflächig Leinwände…

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