König Kunde (der das Letzte)
Die Upload-Geschwindigkeit ist zu lasch. Die Telefonrechnung, naja, ich spiele mit dem Gedanken einer Flatrate. Und siehe da, meine beiden Anbieter hätten da etwas für mich. Freude! Bis ich entweder a) das Kleingedruckte lese und feststelle, Telefonflatrate gilt nur bei Gesprächen über das Internet oder b) daran verzweifle, meinen Vertrag im lausig programmierten Kundencenter umzustellen. Vielleicht ist letzteres nicht lausig programmiert, sondern so konzipiert, dass Altkunden es nur eingeschränkt nutzen können.
Hm, sind es mir wirklich 10 Euro Vertragsumstellung, plus eventuelle (schließlich könnt ihr mir in eurem Kundencenter nicht mitteilen, ob oder nicht) 59,90 Euro Anschlussgebühr, plus x Mal 0,14 Euro in eurer Warteschleife wert, um, zu zugegebenermaßen aktuelleren Optionen und Verbindungsgeschwindigkeiten, euer Kunde, euer König zu bleiben? Oder wird es Zeit, den Hofstaat zu wechseln?
Ja, euch ist es gelungen, mich überhaupt mit dem Netz zu verbinden. Aber doch auch nur, weil sich zwei Gemeinschaften, Gesellschaften um mich stritten und die eine der anderen ein hübsches Bein stellte, denn wo kein analoger Telefonanschluss, da auch kein DSL auf konventionellem Wege möglich – und das im 21. Jahrhundert.
Da steh‘ ich nun, ich armer König Kunde, willig, zu wechseln, mich zu binden, an einen Hofstaat, der sich als fähig und freundlich erweist. Doch den scheine ich noch suchen zu müssen. Was bleibt? Ich wohl vorerst bei einer langsameren Upload-Geschwindigkeit und sehe mich stattdessen nach einem neuen Handy um. Wird eh langsam Zeit. Und mit dem Standard-Minutenpaket sollte ich locker über die Runden kommen. Kann mich ja anrufen lassen, von denen, die ihren Hofstaat bereits gefunden haben.
Doch da sehe ich bereits weiteres Unheil am Horizont. Handy-Anbieter. Ein zweiter Hofstaat. Für mich, König Kunde. Auch hier wäre ein Wechsel angebracht, denn mein derzeitiger Hofstaat neigt zu penetranter Werbung am Morgen. Die nicht vollständig und prompt ein zweites Mal verschickt. Bisweilen auch mit solcher, dass für mich Gebühren fällig werden, um den Dreck als solchen zu identifizieren. Und die persönlichen Kontakte. Ein Anruf am Morgen, am Mittag, am Abend. Am Werktag wie am Wochenende. Vielleicht schenke ich den Bittstellern doch Mal einen Moment Gehör, denn womöglich bieten sie mir all das, was ich wünsche. Allein, nach zig Jahren der Treue, glaube ich nicht länger daran.
Und nun, nachdem ihr euch all das reingezogen habt, bitte ich euch, mir den Hof zu machen und das Fußvolk eures Vertrauens zu nennen. Doch bedenket bitte, ich neige nicht dazu, mich so lange an einen Anbieter zu binden, als dass ich während dieser Vereinigung zwei Geburtstage feiern könnte.
Nachtrag: Ich wollte mich mit dem Kundencenter nicht zufrieden geben und fragte per Mail an, wo ich denn meinen Haken setzen könne, um weiterhin ein zufriedener Kunde zu sein. Nach drei Tagen die erste Mail, es werde weitere vier dauern, dann erhalte ich eine Antwort. Na schön. Die Mail kam nicht. Eine Reaktion hingegen schon. Um kurz nach acht Uhr. Eine humane Zeit. Nicht jedoch, wenn man zuvor bis sechs Uhr in der Früh feiern war und seit elf Tagen nonstop am Arbeiten, auch stets zu abendlicher Stunde. Hörer abgehoben, eine AUTOMATENSTIMME in der Leitung gehabt, Hörer genervt hingeknallt. Nun doch eine Mail, sie versuchten vergeblich mich telefonisch zu erreichen. Immerhin erfahre ich auch, dass eine Umstellung bequem im Internet möglich wäre. Tja, wenn ich das nicht schon versucht hätte, dann würde ich mich glatt über ihre Bemühungen freuen…