Ich muss hier weg!

Attacke. Von oben. Nichts Neues. Seit knapp zwei Monaten schon. Und von unten. Das ist neu! Poch-poch-poch. Ein dumpfes, unrhythmisches Pochen. Pause. Mal nur zwei Hammerschläge, Mal eine Viertelstunde, Mal eine komplette Frühstückspause lang. Wie lange kann es dauern, den Dachstuhl des Nachbarhauses auszubauen?

Bin dafür, dass sich der neue Mieter mit einer Party für alle Parteien vorstellt, ehe er seine schnuckelige Wohnung im fünften Stock mit zwei großflächigen Glastüren zur Westseite einweiht. Denn bis zur Fertigstellung seines Appartements wurden die Nerven der Mieter wie die Saiten einer Gitarre beim Zupfen malträtiert – wohlgemerkt so, wie in den allerersten Übungsstunden.

Der Fahrrad- und Waschkeller schien renovierungsbedürftig. Ich kann das nicht einschätzen, mied ihn. Montag frisch gestrichen. Bis Donnerstag soll die Farbe trocknen. Seit Dienstag zieht ihr Geruch durch die Stockwerke, wabert nach oben, und findet dort kein Entkommen. Schleicht unter den Türritzen hindurch in die Vorräume. Kriecht durch die Lüftungsschächte der Nicht-Tageslichtbäder. Krabbelt in Kleidung, legt sich auf die Atemwege.

Ich erwache morgens, mit reichlich verknatschtem Gesicht, Ringen unter den Augen und einem Poch-poch-poch-Pause-Pause-poch-poch. Ich muss hier weg! Noch einer der Gründe, sich in Arbeit zu stürzen. Als gäbe es davon nicht bereits genügend. Und dann, ausgerechnet dann, leidet die Espresso-Maschine trotz einer Bio-Entkalker-Spülung an Verstopfung. Ich muss hier weg! Und packe die Sonne ein. Wo darf ich hin? Wo gibt es frischen Kaffee und keine Baustelle, keine Renovierung weit und breit?

Eine Reaktion zu “Ich muss hier weg!”

  1. Antje

    Ja, frischen Kaffee kann ich dir anbieten. Leider ist der auch mit Baulärm und Kindergeschrei verbunden. Erst war es die Straßenbaustelle vor unserem Haus - ein halbes Jahr, von sieben in der Frühe bis spät in den Abend. Kurze Zeit später, das Haus quer über den Hof - ein neues Dach. Jetzt ist es mein Nachbarhaus, dass offensichtlich in einem sehr baufälligen Zustand sein muss. Begleitet wird das allmorgendlich (pünktlich 6.30 Uhr) von dem kleinen Schreifratz unter mir. Bilanz für ein Jahr - mehrere Packungen Ohropax.
    Da fällt mir doch nur noch eins ein: Geteiltes Leid ist halbes Leid! ;-)

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