Karteileiche.

Jede Menge heiße Luft wirbelt die Bayern-München-Bettwäsche auf. Fasziniert beobachte ich die blau-weißen Rauten wie sie in sich verdreht werden. Sonst tummelt sich ja an diesem Freitagabend niemand im Waschsalon. Wer wird die Laken wohl abholen? Mann oder Frau? Jung oder alt? Die Gedanken kreisen. Beim Trocknerstopp sackt die Wäsche schlaff in sich zusammen. Gibt es eigentlich Studien darüber, welche Auswirkungen das Muster der Bettwäsche auf das Sexualleben hat? Turned so ein Vereinslogo an? Oder rauscht die Lust ungebremst in den Keller?

Und während ich noch in Gedanken das Für und Wider abwäge, setzt in meinem persönlichen Archiv die Suche nach einem Moment ein, da ich mich mit Fußballvereins-Wäsche konfrontiert sah. Schubladen werden geöffnet, fördern allerlei Vergessenes zu Tage, glücklicherweise kein Fußballvereins-Bettwäschen-Ereignis. Ich wähne mich schon in Sicherheit, will mein Archiv wieder verlassen, als aus einer dunklen Ecke ein dumpfes Schaben erklingt. Eine Schublade schiebt sich zäh, aber beständig wie von Geisterhand auf. Neugierig recke ich meinen Kopf darüber.

Zack, mit einem rostigen Quietschen saust mir der Schachtelteufel entgegen. Federt vor meinem Gesicht auf und ab. Ein hämisches Grinsen auf seinem Puppenkopf. Bekleidet mit einer Bayern-Shorts.

Autsch, das hat gesessen. Ja, da war Mal was. Aber was? Ich blicke auf das um den Fuß geschnürte Karteikärtchen. Das Datum ist längst verblasst. Der Name auch. Doch der Ort, der ist noch allzu gut lesbar. Ein Bett in Hannover. Geburtstagsfeier. Ich brauchte den Schlafplatz und teilte ihn mit einem jungen Mann, der nichts mehr als Bayern-Boxershorts trug. Püh, Glück gehabt. Eine Boxershort zählt nicht als Bettwäsche.

Dennoch, manches Mal sollte man einfach nicht zu tief im Archiv stöbern.

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