Frisches Popcorn mit dem Handy?
Nein, das ist mir nicht gelungen. Und ich muss eingestehen, das Internet bildet nicht immer. Es kann auch sein, dass man sich mit Clips, die im Netz entdeckt und im Kollegenkreis nachexperimentiert werden, zum Deppen für fünf Minuten macht. Passiert, eine Gaudi war‘s trotzdem.
Aber: So leicht gebe ich nicht auf. Und das nächste Video entpuppte sich dann als hochkarätiger: „Wie bastele ich mir ein externes Mikrofon für mein Handy?” Mit einer Kupplung, einem Stecker und etwas Konzentration beim Anschluss der Peripherie. Et voilà, schon gibt‘s saubere O-Töne, auch unter widrigen Umständen, im Handy-Video. Die Bildqualität genügte längst, die Ton-Qualität war mau. Nun nicht mehr.
Jetzt mag es Menschen geben, die berechtigterweise fragen: wozu? Spart euch die Frage auf. Es wird noch interessanter.
Nach dem Besuch in drei Elektronik-Fachmärkten und einem Musikgeschäft, vielen zweifelnden Blicken und jeder Menge neuem Wissen über Mono-/Stereo-/Male-/Female-/Cinch-/Klinken-Kennzeichnungen war‘s soweit – Generalprobe bestanden. Dann geht noch mehr. Am gleichen Tag noch versucht und versucht, mein Handy via WLAN ins Internet zu bringen. Vier Stunden wühlte ich in Foren. IP-/Mac-Adressen, DNS, Router-Einstellungen, Passwort-Verschlüsselungen, DHCP. Nichts. Aber auch gar nichts. Und dann, ein kleiner Post auf Seite 12 eines 13-seitigen Threads. Schon ein paar Monate alt. Ich sollte alle vorgenommenen Einstellungen resetten, einfach verbinden und den Rest macht das Handy. Tat‘s auch. Vor vier Monaten aber noch nicht. Egal. Online. Geil.
Es war eine kurze Nacht, doch keine zehn Stunden später einen FTP-Client fürs Handy gesucht, gefunden, nur nicht downloaden können. Der Link, der per WAP-Push kommen sollte, kam nicht. Erst mit etwa sechs Stunden Delay. Weit und breit kein WLAN, also warten bis abends. FTP-Client herunter geladen, installiert, erstes Video per FTP verschickt. Geil. Da geht noch was.
Noch ein Download, nochmals meine Handy-Nummer hinaus ins WWW gegeben und dann hieß es: „It‘s Showtime!” Mein erster Live-Videostream mit dem gepimpten Handy aus der Küche meiner Wohnung. Aktualität: 100%. Relevanz: 0%. Zuschauer: mindestens eine – meine Mutter.
Und wieder die Frage: wozu?
Was ich abends in der Küche fabriziere ist nun wirklich nicht von größerem Interesse. Aber Entscheidungen in Personalfragen zum Beispiel schon. Oder Chemieunfälle mit Auswirkung auf die Bevölkerung. Da sehe ich Potential. Und das dann auch in einer besseren Qualität als es meine mit 25kb/s Upload-Geschwindigkeit doch etwas limierte Leitung zulässt.
Und statt mit dem Handy frisches Popcorn zu machen, lud ich mir noch ein Programm, das Buch führt über Gewicht, zugenommener Kalorienzahl, gemachter Schritte, getrunkenen Alkohol, gerauchte Zigaretten, Stress, Schlafdauer, etc. – aber ganz im Ernst, mehr als mein Gewicht wollte ich nach der voran gegangenen kurzen Nacht nicht verraten.