Reiche Ernte

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Mit einer Schere und eisernem Willen bewaffnet rückte ich meinen Pflanzen zu Leibe. Seit Wochen schon ein zähes Ringen um jeden noch so winzigen freien Zentimeter. Sie weigern sich ja beharrlich, in die Höhe statt in die Breite zu wachsen. Nach oben hätten sie noch gute zwei Meter Luft, aber in die Breite kann ich ihnen keinen Zentimeter mehr zugestehen. Tricky, wie sie offensichtlich sind, eroberten sie ein paar Zentimeter der Höhe und beschlagnahmten dabei mein Fahrrad. War mir bislang reichlich egal, doch seit vergangener Woche, da ich mir dachte, hey, ein Fahrrad würde so manch logistisches Fortbewegungsproblem lösen, war klar: das Grün muss zurecht gestutzt werden. Nun konnte ich es aber einfach nicht über mich bringen, ihren Nachwuchs in die Tonne zu kloppen. Also, liebevoll Trieb für Trieb abgezwackt. Bescherte mir eine reiche Ernte und uns eine diplomatische Lösung. Ich habe mein Fahrrad wieder, sie eroberten zwei Becher, die eigentlich für Getränke gedacht waren. Nagut, haben sie jetzt schon vier (plus zwei Blumentöpfe, plus die Aussicht aus dem Fenster, plus die Trittleiter – immerhin haaren sie nicht). Sollen sie mit glücklich werden. Solange sie nicht die Kaffeetassen für sich beanspruchen.

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