Probelauf
Am letzten Samstag vor Weihnachten ist es für mich ein Muss durch Schildergasse und Hohe Straße zu ziehen. Inspiration für Geschenke suchen und mit etwas Glück auch gleich welche finden. Doch nichts sprach mich zu 100 Prozent an, also verzichtete ich darauf, mich für 80 Prozent in die minutenlangen Kassenschlangen zu stellen.
Stattdessen rätselte ich wie einige andere über das hohe Polizeiaufgebot, das vor Banken, vor Kaufhäusern, vor Cafés, kurzum überall präsent war. Die Spekulationen der Passanten reichten von Bombenalarm über Demonstration, Diebstahlprävention bis hin zu Einbahnstraßenregelung in der Fußgängerzone. Letztere war nicht nötig, denn in den Gassen war es für den letzten Samstag vor Weihnachten erstaunlich leer – jedenfalls zwischen 16 und 17 Uhr.
Der Regen hielt vermutlich viele vom Shopping auf den letzten Drücker ab. Und mir stellte er eine ganz neue Hürde beim Einkaufszeilen-Sprint. Statt, wie sonst, mit einem eleganten Schlenker der Hüfte potentiellen Hindernissen auszuweichen, gesellte sich nun permanentes Kopfneigen dazu. Das erfüllte den Zweck, Regenschirmstichen auf Augenhöhe zu entkommen, führte jedoch zu einer insgesamt instabilen Lage meines Oberkörpers.
Nach reichlich Schlingern besann ich mich auf weniger frequentierte Seitengassen und ließ die kostümierten Menschen auf mich wirken. Ja, ihr lest richtig. Drei geschminkte Clowns, drei Gestalten mit langen, schwarzen Gewändern und blau-streifiger Kriegsbemalung, sowie eine Herde Rentiere, die etwas angeschäkert lauthals ein „Wir sind zum Feiern hier” auf der Domplatte skandierten. Das war die Generalprobe. Montag wird es ernst.