Schlucken, brechend voll, auskotzen.
Das sind gerade, gegen mittlerweile sechs Uhr am Morgen, meine Assoziationen mit den Kneipen auf der Ecke. In vier der vergangenen fünf Nächte das gleich leidvolle Spiel. Die Kneipen schlucken Gäste bis sie voll sind. Schön für sie, dass die Gäste den Betrieb am Laufen halten und für Umsatz sorgen. Schön für die Gäste, dass sie des abends und nachts noch einen gemütlichen Platz zum Schnacken und Lachen haben. Scheiße für mich, dass Letzteres vor den Kneipen statt findet.
Zum Kotzen, wenn der besoffene Mob mitten in der Nacht hinaus auf die Straße gerotzt wird. Denn so ein Mob hat nicht die Eigenschaft, sich leise von dannen zu machen. Nein, je höher der Pegel, desto lauter die lallenden Stimmen, desto emotionaler der beim letzten Kölsch auf den Tisch gekommene Beziehungsknatsch, desto bedeutsamer jede Kleinigkeit. Und derer gibt es viele. So wird diskutiert, gesungen, getratscht. Endlich, ein Taxi erbarmt sich, die lärmenden Massen zu schlucken.
Doch dann ist auch das Taxi brechend voll und kotzt aus, wer nicht befördert werden soll, kann oder will. So wie an diesem Morgen. Gegen fünf Uhr war es, da gab ich entnervt den Schlaf auf, schlich ans Fenster, um zumindest ein konkretes Bild von dem Elend zu bekommen, das sich unten auf der Straße abspielte. Mit den Worten „Ich muss noch arbeiten!” beförderte der Taxifahrer den Mann, der sich in erstklassiger Fragezeichenpose auf den wackligen Beinen hielt, vor die Tür und fuhr von dannen. Ein „Höäih” kam noch aus dem Mund, des so versetzten. Dann ergriff er die Initiative:
Setzte drei langgezogene Schritte und trottete so gegen Fahrbahnmitte, ehe ihm haarscharf vor dem nächstbesten parkenden Auto eine Kurskorrektur nebst Tempoverschärfung gelang. Sieben bis acht schnelle, kurze, heftige Tritte, dann stellte sich ihm eine Hauswand in den Weg. Leidig irritiert wieder in die andere Richtung. Vom parkenden Auto zurück geworfen verfehlte er nur um Zentimeter die einladend offen stehende Tür der nächsten Kneipe. So erwischte er jedoch erneut eine Hauswand und anschließend eine Parklücke. Zwangspause auf der Motorhaube, da nahte auch schon das nächste Taxi. Der Fahrer schien bereit, bald Feierabend zu machen. Der letzte Gast geschluckt. Er war brechend voll. Und ich habe mich jetzt ausgekotzt.